Theater

Am Brühl

Ein Abriss

Freitag/Samstag, 26./27. Januar 2018
Cammerspiele, Beginn: 20 Uhr

Do, 25. bis Sa, 27. Januar | jeweils 20:00 Uhr
Cammerspiele Leipzig (Kochstr. 132)

Als vor zehn Jahren am Leipziger Brühl der Abriss von drei DDR-Plattenbauten begann, tobte in der Stadt eine Diskussion über das Areal und den Umgang mit der Vergangenheit. Sollte hier ein letztes Stück DDR aus dem Stadtbild entfernt werden? Und war der Plan, an dieser Stelle eine Shopping Mall zu eröffnen, auch Sinnbild für den Anbruch einer neuen Zeit?

Anlässlich des Abrisses der drei Gebäude und der „Blechbüchse" führte der Dokumentarfilmer und Theaterregisseur Sascha Schmidt mit rund fünfzig ehemaligen Bewohnern und Mitarbeitern des Konsument-Warenhauses mit der Kamera Interviews, die sich thematisch rund um den Alltag am Brühl drehten. Er hörte Lebensgeschichten von Umbrüchen, Abbrüchen und Aufbrüchen.

In einem dokumentarischen Theaterstück werden diese Stadtgeschichten nun nach zehn Jahren noch einmal betrachtet: Standen die Plattenbauten auch für das Leben in der DDR? Waren sie vielleicht sogar ein Mikrokosmos, in dem sich alle Widersprüche der untergegangenen Republik spiegelten?

Anhand der Geschichten der mit dem Brühl verbundenen Menschen, Aufnahmen vom Abriss der Häuser und bisher unveröffentlichten Filmmaterials, wie bspw. einem 16-mm-Film, der anlässlich der Eröffnung des Konsument-Warenhauses gedreht wurde, erzählt die dokumentarische Theaterinszenierung „Am Brühl“ von Wünschen, Hoffnungen und Träumen und stellt die Frage: Wie haben sich die Veränderungen bis heute ausgewirkt – nicht nur im Stadtbild, das an einer der zentralsten Stellen der Innenstadt so umfassend verändert wurde, sondern auch zwischen den Menschen?

Die beiden Schauspieler Luise Audersch und Michael Hecht schlüpfen in ständig wechselnde Rollen und stellen Lebensentwürfe nebeneinander. So verdichten sich die Geschichten der Bewohner zu einem Mosaik, das den Alltag in der DDR mit all seinen Konflikten offenbart. Standen die Häuser auf einem wackligen Fundament? Waren die Risse unter der Fassade sichtbar? Der Blick auf den Alltag am Brühl fordert den Zuschauer auf, in der eigenen Erinnerung zu graben und einen eigenen Standpunkt in Bezug auf dieses verschwundene (Gedanken-)Gebäude zu suchen.

Die Inszenierung ist für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2017 nominiert.

Mit: Luise Audersch und Michael Hecht
Regie: Sascha Schmidt
Bühne & Kostüm: Julia Scheurer
Produktion: Florian Wessels
Kamera: Andres Mirgel
Digitalisierung: Robert Carlos Zeder
Technische Unterstützung: Filmaton / Tobias Krettek

AK: 10/ermäßigt 6, VVK: 10/ermäßigt 6